Montag - 08.10.18
Auch der heutige Tag stand wieder ganz im Rahmen der Geschichte und der Begegnung.
Zunächst musste Michael aber vor dem Frühstück (wir
erhielten einen Anruf durch die Rezeption) unseren Wagen auf einen anderen
Platz umparken, weil unser bisheriger Platz wohl nicht zum Hotel gehörte. Ist halt doof, wenn man die Schilder nicht lesen kann...
Beim Frühstück (so gut wie immer) war es heute wesentlich
ruhiger als gestern.
Dann machten wir uns auf, zunächst 3 Häuser weiter von
unserem Hotel entfernt. So dicht, am Rothschild Boulevard 16, liegt
nämlich die Independence Hall, ein sehr geschichtsträchtiger Ort für die Israelis. Nach
mehreren Anläufen gelang es uns nun endlich in diesem Jahr, diesen Ort zu besuchen. Es hat sich
auch gelohnt.
In dem Gebäude wurde am 14.5.1948 die israelische
Unabhängigkeitserklärung verabschiedet. Ein sehr wichtiger Moment, denn nun
wurde Israel ein eigenständiger Staat (vorher stand es unter britischem
Mandat, welches die Briten exakt an diesem Tag - gegen Mitternacht - aufgegeben haben).
Die Zeremonie mit der Rede David Ben Gurions, dem ersten
Staatspräsidenten Israels, und der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung
dauerte nur 32 Minuten und wurde mit großem Jubel der Bevölkerung begrüßt, die schon vor dem Haus wartete. Die Veranstaltung sollte eigentlich geheim bleiben (wegen der Briten, die bis Mitternacht ja noch die Mandatsherren waren), aber im Grunde wusste die ganze Stadt Bescheid - was uns Josef und Alia Wassermann heute bestätigten 😃.
Es gab einen informativen Film darüber, den wir uns ansahen,
bevor wir den eigentlichen Saal besichtigten. Der Raum war größer als erwartet und noch im Original erhalten.
Noch zur selben Stunde löste dieses Ereignis damals den dann noch fast ein Jahr dauernden Palästina- oder auch Unabhängigkeitskrieg aus, was aber allen Beteiligten und auch den Zeitzeugen damals klar war.
Das Gebäude gehörte ursprünglich dem ersten Bürgermeister
von Tel Aviv, Meir Dizengoff, der die Parzelle bei der Gründung der Stadt 1909
zugelost bekam und zunächst ein Wohnhaus darauf errichtete. Nach baulichen
Veränderungen wurde es auf seinen Wunsch hin 1936 ein Museum.
Im Anschluss gingen wir zum Hagana-Museum, das nur einen
Steinwurf entfernt ist. Natürlich ohne Ausweise oder sonstige Legitimationen. Aber wir sehen wohl recht ungefährlich aus und so ließ man uns trotzdem rein. Und damit waren wir heute wohl die einzigen Zivilisten in dem Gebäude.
Die "Hagana" (hebräisch für "Die Verteidigung") war eine zionistische und paramilitärische Untergrundorganisation in Palästina während des britischen Mandates von 1920 bis 1948, die der sog. "Palmach" nachfolgte und sich durch eine straffere Organisation auszeichnete (wobei der direkte Vorgänger die sog. "HaSchomer" - die Wächter - waren). Auslöser ihrer Gründung waren Pogrome in u.a. Jerusalem um 1920. Ihr erster Befehlshaber - in dessen Wohnzimmer wir im Museum standen - hieß Elijahu Golomb. Daneben gab es noch die "Etzel", die deutlich militanter als die Hagana galt und entsprechend härter gegen die britischen Besatzer vorging (und von Menachem Begin geführt wurde). Der Begriff "Irgun" übrigens - so haben wir es heute von Josef und Alia erfahren - hat nur einen semantischen Hintergrund. "Irgun" bedeutet auf hebräisch "Organisation" und so sprach man damals von der "Irgun Etzel" - der "Organisation Etzel" (Eine sprachliche Besonderheit, die z.B. auch Wikipedia so nicht klar ist, wo zwischen "Irgun" und "Etzel" unterschieden wird). Und wenn wir jetzt noch auf die noch radikalere Organisation (Irgun!) "Lechi" verweisen, wird es ganz unübersichtlich.
Aber 1948 gingen diese unterschiedlichen Organisationen in die offizielle (neue) Armee, der sog. IDF (Israel Defence Forces) auf (bzw. die Abspaltungen wurden kurzerhand verboten).
Soviel Geschichte!
Wir schlenderten dann noch über den Carmel Market, auf dem
viele Stände Obst, Gemüse, Gewürze, Süßigkeiten, aber auch Spielzeug und
Kleidungsstücke verkaufen. Wieder mal ein Fest für die Sinne. Und dort fanden wir erwartungsgemäß auch einen netten Blumenladen und kauften einen
schönen Strauß für Alia.
Michael fuhr noch eine Stunde mit einem Leihrad nach Jaffa,
und als er zurück kam, machten wir uns pünktlich auf in Richtung Ramat Gan, wo
wir von Alia und Josef Wassermann zum Kaffee bzw. Tee ("Marwa" -
hebräisch für "Salbei") eingeladen waren. Orna kam auch noch.
Es war wieder sehr herzlich und schön. Michael und ich
finden es immer wieder interessant und anregend, "lebende
Geschichtszeugen" befragen zu dürfen. Und weil wir heute soviel über die
israelische Unabhängigkeit gelernt hatten, konnten wir Alia und Josef nach
ihren Erfahrungen fragen und viel Neues dazulernen, was garantiert nicht in den
Geschichtsbüchern steht.
Wir fuhren erst wieder um 20.15 Uhr ins Hotel zurück!
Eigentlich wollten wir nochmal in die Lounge und einen Snack
nehmen. Dort fand jedoch gerade eine Art Party statt, eigentlich ziemlich
lustig, aber uns war es zu voll. So gingen wir noch in einen Imbiss um die Ecke und aßen (mal
wieder) leckeren Fallafel mit Hummus und Salat
Morgen wollen wir auf den Golan und zum See Genezareth!

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