Dienstag - 09.10.18
An diesem Morgen wachten wir relativ früh auf und nach einem
guten Frühstück (heute Spiegelei) brachen wir kurz nach 9.00 Uhr mit dem Wagen
auf.
Michael wollte gerne auf den Golan bzw. zum See Genezareth.
Und ich kam natürlich mit.
Zunächst fuhren wir aber nach Jerusalem und von da aus in
Richtung Totes Meer. Es ging immer weiter runter und waren es in Jerusalem noch
24 Grad, so stieg das Thermometer am niedrigsten Punkt, ca. 450 Meter unter dem
Meeresspiegel, auf 34 Grad.
Michael erinnerte sich an eine Strecke, die auf der
Bundesstraße 90 (wie man diese Art Straßen bezeichnet, wissen wir nicht!) an
Jericho (angeblich der ältesten Stadt der Welt) vorbei durch das Westjordanland
führt. Diese Strecke war deutlich spektakulärer, als der Weg über Alfula (auch wenn der über die Carmel-Mountains führt und auch nicht schlecht ist - darüber sind wir dann zurückgefahren). Wohlweislich hatten wir unsere Pässe dabei, denn man wird beim Verlassen
der Straße, die übrigens nicht sehr stark befahren war, kontrolliert. Bei uns
war das eine junge Soldatin, die sich sehr ernst und sehr "wichtig" gab. Aber die Strecke war gut ausgebaut, ziemlich leer und führte durch eine spektakuläre, wenn auch sehr karstige Landschaft - immer in Sichtweite der jordanischen Grenze.
Je näher wir dem See kamen, änderte sich die Landschaft (vor allem auf der dann wieder israelischen Seite) und man fand deutlich fruchtbarere Felder mit Olivenbäumen (die zweifarbige Früchte trugen: Grün und schwarz - wir dachten, die schwarzen Oliven werden gefärbt?) und verblüffend viele Apfelbäume. Ganz so lieblich und grün, wie im Frühjahr, ist es natürlich jetzt im
Herbst nicht mehr.
Statt in Richtung Tiberias, fuhren wir rechts am See herum, in Richtung "Ein Gev". Diesen sehenswerten Kibbutz hatten wir bereits vor vier Jahren mit Volker und Cord besucht (und ließen ihn daher diesmal aus).
Die Strecke stieg langsam an und wir fuhren diesmal in Richtung Qatzrin - wie immer natürlich rein gefühlsmäßig. Den übertriebenen Luxus einer Straßenkarte schenkten wir uns auch auf dieser Fahrt (und den Navigationssystemen traut Michael ohnehin nicht). Aber wir fanden unseren Weg zum Mount Bental nahezu blind.
Unser Ziel war dort das Café "Coffee Anan", das
wir vor 4 Jahren mit Cord und Volker zusammen besucht hatten. Damals noch ein
offensichtlicher Geheimtipp und wenig besucht, war jetzt kaum noch ein
Parkplatz zu bekommen. Und es standen sage und schreibe sieben Reisebusse da, die
ihre Ladung auch schon ausgespuckt hatten. Vorwiegend Deutsche (warum benehmen
die sich eigentlich immer so peinlich?), ein paar Asiaten und auch eine Ladung junger Rekruten
in Uniform (und wie es hier in Israel üblich ist, auch alle bewaffnet), die hier wohl eine Einweisung in die Geschichte erhielten.
Der Mount Bental - und damit auch das Cafe - waren komplett überlaufen und haben damit etwas von ihrem Reiz von damals verloren. Aber für die Region freuen wir uns natürlich, dass der Tourismus auch hier so gut funktioniert - auch wenn es uns eher überrascht hat, das die Pilgerbusse wirklich den Weg hier hoch finden und finden wollen. Das zentrale Thema aller Reiseleiter dort oben war natürlich der Jom-Kippur-Krieg von 1973 (siehe unsere Link-Sammlung).
Die Ruinenstadt (nein, nicht Quinetra - die liegt nämlich in Syrien) und den alten russischen Flughafen schenkten wir uns (kennen wir ja schon) und wir fuhren weitern in Richtung Majdal Shams, der Drusenstadt in den Bergen. Aber da wir die auch schon kannten, bogen wir in El Rom ab in Richtung Mas'Ade, um von dort aus wieder runter zum Fuß der Golan-Höhen zu kommen (über die 99). In El Rom besuchten wir noch schnell den örtlichen Supermarkt und besorgten uns was zu futtern (im Coffee Anan haben wir ja nichts bekommen - zu voll).
Dann entdeckten wir in den Bergen noch die Burg "Nimrod" und beschlossen, uns diese doch sehr präsentable Burg anzusehen. Leider kamen wir dort kurz vor vier an und da wurde gerade geschlossen. Schade. Ein paar Kilometer weiter unten, gab es dann zwar noch eine Quelle namens "Banias" (die Schreibweisen variieren hier, wie fast überall in Israel). Aber das - obwohl Teil eines dort gelegenen Nationalparks - reizte uns nicht und so hielten wir ein paar Meter abseits an einer zerstörten alten Kirche und aßen dort im Auto erstmal was.
Und dann machten wir uns wirklich wieder auf den Rückweg. Wir brauchten von dort aus für die 180 Kilometer bis Tel Aviv immerhin noch 2 1/2 Stunden. Die allerdings hinter Tiberias und vor den Carmel-Mountains auf exzellent ausgebauten - scheinbar neuen - Autobahnen.
Gegen 19 Uhr waren wir dann wieder in Tel Aviv und um 19.30 Uhr (Der Abendverkehr ist hier höllisch) im Hotel.
Noch ein Absacker in der Lounge, aber dann merkten wir die 570 Kilometer doch ziemlich deutlich. Sehr sinnvoll mag der fast 9 Stunden Trip einmal um die wesentlichen Eckpunkte von Israel herum nicht gewesen sein, aber uns hat er Spaß gemacht, weil wir alte Erfahrungen auffrischen und neue Einsichten machen konnten.
Der Golan ist ein Anziehungspunkt für Tagesausflügler und Wanderer geworden. Weit entfernt von dem Attribut einer "Krisenregion", welches dieser Höhe immer noch anhängt. Heute ist es eher ein landschaftlich interessantes Gebiet, mit viel Geschichte und sicherlich auch ein wenig "Kriegsromantik" versehen (sofern man das überhaupt so sagen darf). Nicht überall schön, manchmal sogar eher abstoßend - aber auf jeden Fall interessant und eine Reise wert.

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